Aus Überzeugung handeln.
In Deutschland erlebt jede dritte Frau mindestens einmal in ihrem Leben physische Übergriffe und/oder sexualisierte Gewalt durch ihren Partner oder Ex-Partner. Jede Woche werden in Deutschland im Schnitt drei Frauen von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet.
Während die polizeilich erfassten Straftaten in Deutschland insgesamt zurückgehen, steigen die Zahlen im Bereich der geschlechtsspezifischen Gewalt seit Jahren.
Dieser Zustand zeigt, dass die wichtige Arbeit hunderter Fachberatungsstellen und Frauennotrufe bundesweit notwendiger denn je ist. Ihre Arbeit soll mit dem Tilda-Fonds ergänzt werden und dringend benötigte Gelder niedrigschwellig und bedarfsgerecht für die Betroffenen zur Verfügung gestellt werden.
Was finanziert der Fonds?
Der Tilda-Fonds unterstützt Betroffene geschlechtsspezifischer Gewalt dabei, akute Notsituationen zu überwinden und Sicherheit sowie neue Handlungsspielräume zu gewinnen. Die Förderungen orientieren sich an den Bedarfen aus der Beratungspraxis und daran, wo staatliche Unterstützungsstrukturen versagen.
Dazu zählen unter anderem:
● Übernachtungs- und Unterkunftskosten, z. B. nach der Flucht aus einer Gewaltsituation
● Sicherheitsrelevante Maßnahmen, wie neue Haustürschlösser oder technische Schutzmaßnahmen für Smartphone und Laptop
● Fahrtkosten, etwa zu einer sicheren Unterkunft, zu Beratungsstellen, wichtigen Terminen oder Gerichtsverhandlungen
● Dolmetscher*innenleistungen
● Kinderbetreuung, wenn sie notwendig ist, um Termine wahrzunehmen oder Sicherheit herzustellen
● Hygieneartikel und notwendige Alltagsausgaben
● Medizinische sowie therapeutische Leistungen, die nicht von der Krankenkasse übernommen werden
● Sonstige akute individuelle Bedarfe, zum Beispiel Fahrten zum Besuch einer Vertrauensperson
● Rechtsberatungs- und Prozesskosten, unter bestimmten Voraussetzungen
Welche Unterstützung im konkreten Fall möglich ist, wird individuell und vertraulich gemeinsam mit einer Beratungsstelle geprüft. Ziel ist es, schnell, bedarfsgerecht und verantwortungsvoll zu helfen, damit Betroffene in ihrer Suche nach Sicherheit nicht an finanziellen Hürden scheitern.
Wirkung von Tilda im ersten Förderjahr 2025
Im ersten Förderjahr wurden 401.000 EUR Fördermittel bewilligt. 96 gemeinnützige Beratungsstellen, die im bff: Bundesverband der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe organisiert sind, konnten mit Tilda-Mitteln hunderte Gewaltbetroffene unterstützen.
Wer steht hinter dem Fonds?
Der Tilda-Fonds wird von der stattblumen gUG (haftungsbeschränkt) getragen. Die Gesellschafterinnen Cordelia Röders-Arnold, Karen Heibrok, Ruth Meding und Sally Lisa Starken haben den Fonds überwiegend ehrenamtlich aufgebaut und engagieren sich für dessen strategische Ausrichtung.
Um die nachhaltige Arbeit von Tilda sicherzustellen, übernehmen drei Kolleginnen zentrale Aufgaben in Teilzeit: Ruth Meding ist als Geschäftsführerin Hauptansprechpartnerin für Presseanfragen und Kooperationen. Sie trägt die inhaltliche wie finanzielle Gesamtverantwortung. Bea Zorn koordiniert die Anträge und Auszahlungen und ist Ansprechpartnerin für die angebundenen Beratungsstellen. Malena Halmer verantwortet das Fundraising und unterstützt dabei, dass die Arbeit und Wirkung des Fonds sichtbar werden.
Tilda arbeitet eng mit dem bff: Bundesverband der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe zusammen. Sowohl bei der Konzeption des Fonds als auch bei der Strategie- und Weiterentwicklung ist der bff zentraler Kooperationspartner.
Der Beirat
Der Beirat begleitet die Arbeit des Fonds als unabhängiges Qualitäts- und Kontrollgremium. Die Mitglieder des Beirats bringen vielfältige Erfahrungen und Perspektiven ein. Sie sind Expertinnen qua eigener Betroffenheit, Vertreter*innen von Organisationen, die sich für marginalisierte Gruppen einsetzen, sowie Expert*innen, die sich gesellschaftlich und politisch gegen geschlechtsspezifische Gewalt engagieren.
Mehr Informationen über unseren Beirat findest du hier.
Was ist die stattblumen gUG und wie ist Tilda entstanden?
Die stattblumen gUG versteht sich als Dach für verschiedene gleichstellungspolitische Projekte. Der Fokus der derzeitigen Arbeit ist das Thema geschlechtsspezifische Gewalt und der Fonds Tilda.
2020 starteten Cordelia Röders-Arnold und Sally Lisa Starken #STATTBLUMEN. Im Frühjahr 2020 zeigte die Kampagne #STATTBLUMEN die strukturelle Benachteiligungen von Frauen während der Corona-Krise. Mit einem Appell an die Bundesregierung mit über 15.000 Unterschriften hat die Initiative die öffentliche Aufmerksamkeit auf eine drohende Retraditionalisierung gelenkt.
2021 half Wahl-O-Matin WAHLTRAUT dabei, sich einen Überblick darüber zu verschaffen, welche Parteien wie zu gleichstellungspolitischen Themen stehen. “Schutz vor Gewalt” war eins von diesen.
In 2022 stiegen Ruth Meding und Karen Heibrok in die Arbeit von #STATTBLUMEN ein. Als Sängerin Jennifer Weist, Schirmherrin des Tilda-Fonds, 2022 einen Fonds suchte, der sich dezidiert Betroffenen von geschlechtsspezifischer Gewalt widmet und es keinen gab, war die Idee für Tilda geboren.
Im Januar 2024 gründeten Cordelia, Sally, Ruth und Karen gemeinsam die stattblumen gUG (haftungsbeschränkt), um den Weg für die Arbeit des Fonds zu bereiten.
Der Start des Fonds wurde durch einen Teil der Erlöse der Kampagne „Wie viel Macht ein Euro” der Amadeu Antonio Stiftung im Jahr 2023 ermöglicht. Ziel der Kampagne war es Betroffene von sexualisierter Gewalt durch den Sänger der Band Rammstein zu unterstützen. Nach Einstellung des Ermittlungsverfahrens wurde der Spendenzweck der Kampagne im Einklang mit rechtlichen Vorgaben erweitert. Alle Spender*innen wurden informiert und hatten die Möglichkeit ihr Geld zurückzufordern. Die verbleibenden Mittel – 622.000,00 € – flossen in den neu gegründeten Tilda-Fonds. 100.000,00 € wurden für ein Jahr als Rücklage behandelt, für den Fall, dass sich noch weitere Rammstein-Betroffene melden. Die Jahresfrist für die Rücklage ist bereits abgelaufen, nun fließt es in die regulären Hilfsstrukturen des Tilda-Fonds und wird im Rahmen der Jahresbudgets Betroffenen geschlechtsspezifischer Gewalt zugutekommen.
Welche Perspektive gibt es für die Zukunft des Fonds?
Geschlechtsspezifische Gewalt ist ein strukturelles Problem. Diese zu bekämpfen und Betroffene zu unterstützen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Tilda deckt akute Bedarfe und ist damit nur ein Notpflaster für ein strukturelles Problem, dessen Lösung nicht in der Zivilgesellschaft liegen sollte und kann. Mittelfristig möchten wir erreichen, dass der Fonds ein reguläres, institutionalisiertes Angebot wird und damit nachhaltig abgesichert ist – bis die Leistungen von Tilda nicht mehr gebraucht werden – bis Staat und Gesellschaft ihrer Verantwortung endlich vollumfänglich nachkommen und geschlechtsspezifische Gewalt der Vergangenheit angehört.
